Die FDP-Kreisverbände haben sich auf die Fusionsvariante Osterode-Goslar festgelegt, so war heute im Harzkurier zu lesen. Michael Paetzold fragt in seinem Kommentar zu Recht nach der Grundlage für diese Entscheidung. Er gibt zu bedenken, dass wir derzeit noch gar nicht wissen, welche Fusionsvariante die wirtschaftlich tragfähigste sei, welche Verwaltungsstrukturen erforderlich seien und mit wem eigentlich die Bürger wollen. Ich sage: So ist es! Und frage: Warum eigentlich wissen wir dies alles noch immer nicht?
Kann es sein, dass uns die „Fusions-Promotoren“ schon seit vielen Monaten die Antworten auf alle diese Fragen schuldig bleiben? Oder ist es eher so, dass SPD und Grüne sich zwar einig sind, unter allen Umständen die Kreise Göttingen, Osterode und Northeim fusionieren zu wollen, gleichzeitig aber jegliche kommunalwissenschaftliche, regionalwirtschaftliche und raumordnerische Grundlage fehlt, die ihren bloßen politischen Willen fachlich rechtfertigen würde? Ich frage weiter:
Kann es ferner sein, dass selbst Auftragsgutachter Prof. Hesse den wissenschaftlichen Begründungszusammenhang für einen südniedersächsischen Großkreis nicht liefern kann? Ich behaupte: ja. Und wer das Gutachten gründlich liest, wird nicht umhin kommen, dies festzustellen. Leider melden sich offenkundig viele Menschen zu Wort, die beide Hesse-Gutachten entweder nicht gelesen oder aber nicht verstanden haben. Erinnern wir uns an Hesses merkwürdigen Vorschlag vom Oktober 2011, zunächst Osterode und Northeim miteinander zu verschmelzen und erst anschließend zu prüfen, ob es erforderlich und/oder sinnvoll sei, dass Göttingen noch hinzukomme. Diese Variante, die von Bernhard Reuter und seinen Verbündeten sofort abgelehnt wurde, zeigt, dass der Kommunalwissenschaftler alles andere als überzeugt von der großen Göttingen-Fusion war und ist. Ich kann den Mann gut verstehen.
Wer indes weiterhin das Hesse-Gutachten fälschlicherweise als wissenschaftliche Untermauerung für die - wie ich seit jeher denke - politisch und raumwissenschaftlich grundfalsche Großkreislösung in Anspruch nimmt, zeigt damit, dass er es entweder selbst nicht verstanden hat oder darauf vertraut, dass fast niemand wirklich die Schwarte gelesen hat. Vielleicht besitzt er oder sie aber auch die Chuzpe, sich in der Lage zu wähnen, die Bürger einfach für dumm verkaufen zu können.
Frank Kosching

